Cost-Average-Effekt

Kurze Definition:

Der Cost-Average-Effekt besagt, dass Anleger für den gleichen Betrag bei fallenden Kursen mehr Anteile und bei steigenden Kursen weniger Anteile kaufen können.

Weitere Informationen:

Der Cost-Average-Effekt (deutsch: Durchschnittseffekt) ist im Prinzip eine geniale Sache. Er minimiert dein Risiko, da du Aktien zu einem Durchschnittspreis kaufst. Du minimierst somit das Risiko, zu (zu) hohen Kursen einzusteigen, da du nicht einmal dein ganzes Geld investierst, sondern immer ein bisschen. So erwirbst du im Lauf eines längeren Zeitraums Aktien quasi zum Durchschnittspreis. Die (extrem) hohen Ausschläge nach oben und unten werden „geglättet“.

Wie wirkt sich das praktisch aus und was hast du davon? Fangen wir mal umgekehrt an: Angenommen, du würdest eine größere Summe Geld zur freien Verfügung erhalten, vielleicht von einer Erbtante. Sagen wir mal, es wären 10.000€. Jetzt könntest du die schwuppdiwupp auf eine Aktie oder einen ETF deiner Wahl setzen. Sagen wir mal du kaufst dir von dem Betrag rund 500 Aktien BioNTech (WKN: A2PSR2), die derzeit bei rund 20 Euro stehen. Du bist von dem Unternehmen überzeugt und willst die Aktien nach der Buy-and-hold-Strategie die nächsten Jahre liegen lassen. Blöderweise kommen direkt nach dem Kauf schlechte Nachrichten: Trump will keinen Vertrag mit China, Bill Gates zieht seine Mittel aus BioNTech ab, der Inhaber hat einen schweren Unfall und man weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ergebnis: Die Aktie fällt auf 10 Euro, deine geerbte Summe fällt auf 5.000 Euro – frei nach dem Motto:

Frage: „Weißt du, wie man an der Börse zu einem kleinen Vermögen kommt?“
Antwort: „Mit einem großen anfangen …“

Was kann man dagegen machen? Ganz einfach: Regelmäßig über einen längeren Zeitraum investieren. Du splittest also die 10.0000€ in 10 x 1.000 oder20 x 500€. Und dann kaufst du jeden Monat zum bestimmten Stichtag ganz konsequent deine Aktien für den Betrag. Wenn die Aktie nur 5€ wert sein sollte, bekommst du 100 Aktien, bei 20 Euro wären es lediglich noch 25 Aktien. Du kaufst also bei hohen Kursen weniger Stücke, bei niedrigen Preisen mehr. Das ergibt auf längere Sicht, logisch, einen Durchschnittspreis.

Nicht verhehlen will ich, dass es natürlich auch anders herumlaufen kann: Es kommen top Nachrichten und BioNTech explodiert. Auch das würde natürlich dementsprechend geglättet.

Die Schwankungen, also die Volatilität, wird geglättet, ausgeglichen. Dieser Effekt wird wunderbar sichtbar, wenn du einen ETF-Sparplan laufen hast. Über viele Jahre wirst du dort Crashs ebenso erleben wie Kursfeuerwerke. Beide haben dann ihre Vorteile für dich: Geht es runter, kaufst du mehr Stücke, was dir in Zukunft höhere Erträge bringen wird. Und wenn die Kurse steigen, steigt natürlich alles, was du schon hast, kräftig an.

Der psychologische Faktor ist nicht zu unterschätzen: An der Börse haben viele Leute das Gefühl zum falschen Zeitpunkt einzusteigen. So im Stil: „Immer, wenn ich ein Wertpapier kaufe, sinkt es hinterher!“ Das kann mit dem Cost-Average-Effekt nicht mehr passieren. Denn ein großer Vorteil dabei ist, dass man das Timing-Risiko minimiert.

Beispiel für den Cost-Average-Effekt bei einem ETF-Sparplan:

 

Monat

Sparbetrag (in€)

Kurs (in€)

Anzahl Anteile

1

100

100

1

2

100

50

2

3

100

100

1

4

100

50

2

5

100

25

4

6

100

10

10

Gesamt

600

+233,33%

20

Erklärung des Beispiels:
 

Wie du siehst, werden bei einem niedrigeren Kurs mehr Anteile gekauft und bei einem höheren weniger.

Nach einem halben Jahr hast du 600€ eingezahlt. Du hast in dieser Zeit insgesamt 20 Anteile am Wertpapier erhalten. Da du jeden Anteil im Schnitt für 30€ erhalten hast (600€ / 20 Anteile), jetzt aber der Kurs 100€ je ETF-Anteil beträgt, hast deinen Gewinn von 70€ je Anteil oder sagenhafte 233% gemacht. Das ist natürlich nicht realistisch für solche einen kurzen Zeitraum, verdeutlicht aber den Effekt ziemlich drastisch.

Im Übrigen braucht man das gar nicht rechnen zu können – der Effekt ist offensichtlich und wirkt immer.

Kleiner Tipp: Manchmal wollen andere von dir vielleicht einen Tipp für bestimmte Aktien oder ETFs. Du weißt sicher, dass du mit solchen Vorschlägen total zurückhaltend sein solltest? Läuft es nämlich gut, wird dir nicht gerade unendliche Dankbarkeit zuteil. Und läuft es mies, machen dich nicht wenige für deinen „Tipp“ verantwortlich. Also, was du wirklich immer empfehlen kannst: Splitte deine Einsätze; setze also möglichst auf unterschiedliche Aktien / ETFs und nutze den Cost-Average-Effekt, indem du deine Einsätze über einen längeren Zeitraum aufteilst.

Exkurs: Negative-cost-Average effect

Das Gegenteil ist der Negative-cost-average-effect. Dies kann vor allem bei Auszahlplänen wirken. Du kannst dieses Problem lösen, indem du deinen Entnahmeplan immer wieder an die jeweiligen Umstände anpasst. So ist sogar ein Sparplan mit etwas Arbeit verbunden.